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Luplow

700 Jahre Familiengeschichte

Wenn Luplow in der Mark Brandenburg gelegen wäre, hätte sich schon längst Theodor Fontane des Ortes und der 700 Jahre langen Chronik der Familie von Voß bemächtigt und mit Humor und Genauigkeit die Verdienste und Niederlagen, Schlachten und Scharmützel, Streitig- und Festlichkeiten geschildert.

Die von Voß kamen im Gefolge Heinrichs des Löwen aus Westfalen oder Niedersachsen nach Mecklenburg, waren also nicht wendischen Ursprungs. Offiziell aber beginnt ihre Geschichte erst mit dem 29.August 1292, an diesem Tag belehnte Fürst Nikolaus von Werle-Güstrow den «treuen Ritter Heinrich, genannt Voss vom Wolde, für geleistete Dienste während der Kriegsnot mit Luplow und Rosenow zu dauerndem Besitz».

Im Lehnsbrief finden wir den Begriff Lupegloue, ein slawisches Wort, das soviel wie Spaltekopf bedeutet. Vielleicht ist in Lupegloue vorher ein Wendenfürst seiner Lieblingsbeschäftigung, Köpfe zu spalten, nachgegangen. Aber auch die Herren von VO - nomen est omen - sind auf Luplow in ihrer langen Geschichte nicht nur friedfertig gewesen, sie mußten auch selbst Schicksalsschläge einstecken: Ein Jacob Voß wurde 1490 vom bösen Bernd Moltzan gerädert. Valentin Voß fiel 1575 einem Meuchelmord zum Opfer, Achim Voß wiederum erschlug 1535 in einem Streit auf offener Straße den Achim Kampe. Um Luplow selbst hat es immer wieder Streitigkeiten gegeben, in Erbauseinandersetzungen wurde prozessiert, hohe Schulden bedingten Konkurse. Mehrfach wurde um Luplow gewürfelt, allerdings meistens unter notarieller Aufsicht. Trotzdem war das Gut Luplow von 1292 bis 1945 ununterbrochen im Besitz der Familie von Voß.

Das kleine Gutsdorf Luplow liegt im Landkreis Altentreptow. Reste einer mittelalterlichen Burganlage mit Hügel und Wassergraben lassen sich im Luplower Park noch ausmachen. Wann der Vorgängerbau des heutigen Gutshauses entstanden ist, läßt sich nicht mehr feststellen. Eine Taxierung Luplows nach dem Dreißigjährigen Krieg gibt eine trostlose Beschreibung. Da heißt es: «Auf dem Rittersitz lieget das

Wohnhaus, Scheune und alle anderen Zimmer nieder und sein weg. Das Backhaus... ganz dachlos... der Baum und andere Garten liegen wüste.» Von den Dorfbewohnern waren noch zwei am Leben, der Krieg hatte aus Luplow eine Wüstenei gemacht.

Bis 1618 gab es in Luplow noch zwei bewohnte adlige Höfe, dazu Pfarre, Dorfkrug und Schulzenamt; 10 Bauleute und 10 Kätner lebten außerdem im Ort. Um den Bau des Gutshauses, wie es heute dasteht, haben sich drei Vösse verdient gemacht: Adam Carl von Voß (1699 - 1765), sein Sohn Friedrich Johann Christoph (1725 - 1808), genannt der Rittmeister, und Carl von Voß (1802 - 1888), der Kammerherr.

Der Landwirt Adam Carl von Voß erwarb Luplow 1752 aus einem Konkurs. Er hatte bis dahin auf Schwandt gelebt, wo er 1702 das Gutshaus baute. Nun begann er, in Luplow ein neues Gebäude nach dem Vorbild des Schwandter Hauses zu errichten, wahrscheinlich auf den Grundmauern des Vorgängerbaus aus dem Dreißigjährigen Krieg. Dabei kam Adam Car! schon eine gewisse bauliche Erfahrung zugute, da er 1722 Neuhof (Marienhof) und 1730 Karlshof hatte erneuern lassen. Eine hauseigene Ziegelei lieferte das Baumaterial.

Entstanden ist ein Bau, der aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist. Pavillons sind durch niedrige Flügel dem Mittelteil angegliedert, Hauptbau und Pavillons haben Mansarddächer, die Flügel Satteldächer. Die schlichte Fassade ist durch Putzquaderung fein strukturiert.

Da unter Adam Car! in Luplow vieles an Gebäuden und Aktivitäten dazugekommen war, erhielt er am 14.11. I732 einen neuen Lehnsbrief. Zu Luplow gehörten damals neben Schwandt die Meierei Neuhof (Marienhof), Voßfeld, die Fischerei auf dem Schwandter See und das Jagdrecht. In Luplow gab es auch eine Glashütte, 1734 angelegt und zwar dort, wo heute Gut Voßfeld liegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm der Waldbestand sehr zu, so daß man genug Holz für eine Glasbläserei hatte. Allein im Bezirk Neubrandenburg hat es im i8.Jahrhundert 42 Glashütten gegeben.

Wieweit das Gutshaus unter Adam Car! gediehen ist, läßt sich nicht genau sagen; der Sohn Adam Caris, Friedrich Johann Christoph, vollendete den vom Vater begonnenen Bau.

I763 siedelte der Rittmeister, der zuvor in mecklenburgischen Diensten gestanden hatte, von Voßfeld nach Luplow über und ließ die 23 Räume des Gutshauses ausgestalten. Im Gartensaal durfte Gutsmaurer Crasemann die Stukkaturen an der Decke ausführen mit den Wappen-tieren Fuchs (von Voß) und Bär (seiner Frau Eva Juliane von Behr). Über der Eingangstür ist der 1766 geborene Sohn Joachim als Putto dargestellt.

Auch Garten und Hof ließ der Rittmeister umgestalten und vor dem Gutshaus im Halbkreis Kastanien anpflanzen, so daß das Wohnhaus innerhalb der geschlossenen Hofanlage von den Wirtschaftsgebäuden abgetrennt war. Zum Schluß wurde das Torhaus erbaut. Die Wetterfahne nannte als Baujahr 1777.

Aus der Zeit des Rittmeisters gibt es noch einen Scherenschnitt, der anläßlich der Hochzeit seiner Tochter am 2.7. 1790 entstanden ist. Er zeigt ihn mit seiner Frau und den vier Kindern. Bei der Hochzeitsfeier, die im Gartensaal abgehalten wurde, war auch der Herzog zu Mecklenburg-Strelitz, Fritz Reuters «Dörchläuchting», zugegen.

1848 erbte der Kammerherr Carl von Voß Luplow und setzte vor den Hauptbau den Mittelrisalit mit der Steintreppe. Auch die Eingangstür ließ er erneuern und Molkereihaus und Schweinestall neu bauen.

1945 endete vorerst einmal die Geschichte von Luplow und den von Voß. Sämtliches Mobiliar wurde von den Russen requiriert und abtransportiert. Darunter befanden sich Bilder von Spitzweg und Tizian, lederbezogene Stühle mit der Prägung des Vossischen Wappens und einer der fünf Schreibsecretäre, die Adam Carl einst für seine fünf Töchter hatte anfertigen lassen. Dabei war auch der Spieltisch des Rittmeisters, an dem er mit dem Pastor l‘ombre gespielt hatte im Sommer unter den Kastanien vorm Haus.

Nach dem Krieg wurde das Torhaus von einem Siedler abgerissen, das Baumaterial weiterverwendet. Die Spitze des Torhauses verwahrt noch der Pastor. Tapeten mit Jagdszenen, die ein Voß aus einem Ardennenschloß mit nach Luplow gebracht hatte, wurden überstrichen, 1987 mußte einer der Pavillons wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Was jetzt noch von der Gutsanlage steht, ist von so guter baulicher Substanz, daß sich eine Renovierung lohnen würde.

Und der Fachmann dafür ist auch schon gefunden. Fritz von Voß, der Erbe von Luplow, ist Architekt. Er würde sein Elternhaus gerne wieder zum Stammsitz der Familie machen, natürlich unter Einbeziehung des Dorfes; die Dorfbewohner würden sich freuen, wenn er wiederkäme. Anläßlich der 700-Jahr-Feier der Familie Voß am 29.8. 1992 im Gartensaal des Gutshauses wurden alte Erinnerungen ausgetauscht.

...im Jahr 2001 haben drei junge Unternehmer aus der Region das Gutshaus und den dazugehörigen Park erworben. Mehr dazu finden Sie auf den Seiten des Biomassehofes Varchentin

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last edit: Freitag, 7. Januar 2005 ;Copyright by JS²